Johanniskraut
(Hypericum perforatum)
Familie: Johanniskrautgewächse
Wenn die Tage im Sommer am längsten sind und die Sonne ihren höchsten Stand erreicht, öffnet das Johanniskraut seine goldgelben Blüten. Es ist eines dieser Kräuter, die man einfach nicht übersieht: leuchtend gelb, aufrecht wachsend, verzweigt, lichtliebend und voller alter Geschichten.
Nicht umsonst trägt es Namen wie Sonnwendkraut, Johannisblume oder Herrgottsblut. Denn rund um den Johannistag am 24. Juni steht es vielerorts in voller Blüte und zeigt sich mit seiner ganzen Sonnenkraft.
Zerreibst du eine der Blütenknospen zwischen den Fingern, färbt sich deine Haut rot. Dieser rote Saft ist ein Hinweis auf das echte Johanniskraut.
Wo du Johanniskraut findest
Das Echte Johanniskraut liebt trockene, sonnige Standorte. Du findest es an Wegrändern, Waldrändern, Böschungen, auf mageren Wiesen, an steinigen Plätzen und überall dort, wo der Boden von der Sonne erwärmt wird.
Die Pflanze wird bis zu knapp einem Meter hoch, wächst aufrecht und verzweigt sich im oberen Bereich stark. Ihre vielen kleinen, gelben Blüten wirken auf den ersten Blick zart, doch in ihnen steckt erstaunlich viel Kraft.
So erkennst du das Echte Johanniskraut sicher
Beim Johanniskraut lohnt sich ein genauer Blick. Denn gerade die kleinen Details machen es unverwechselbar.
Die Blätter
Die Blätter sitzen gegenständig am Stängel und sind eher klein, meist bis etwa zwei Zentimeter lang. Hältst du ein Blatt gegen das Licht, erkennst du viele winzige helle Punkte. Diese wirken wie kleine Löcher, daher auch der botanische Name perforatum, also „durchlöchert“. Tatsächlich handelt es sich um durchscheinende Öldrüsen.
Der Stängel
Ein wichtiges Erkennungsmerkmal ist der zweikantige Stängel. Wenn du ihn vorsichtig zwischen den Fingern drehst, spürst du zwei feine Längskanten. Ältere Stängel können im unteren Bereich leicht verholzen und rötlich überlaufen sein.
Die Blüten
Die Blüten sind goldgelb und bestehen aus fünf Kronblättern, die wie ein kleiner Propeller aussehen und am oberen Rand fein gezähnt sind. In der Mitte sitzen zahlreiche Staubblätter (50 bis 100), die den Fruchtknoten umgeben. An den Blütenblättern findest du oft dunkle Punkte oder Striche, besonders am Rand.
Und dann gibt es noch den berühmten Johanniskraut-Test: Zerreibst du eine frische Blüte oder Knospe zwischen den Fingern, färbt sich deine Haut rötlich bis blutrot. Dieser rote Farbstoff ist ein wichtiger Hinweis auf das Echte Johanniskraut.
„Jedes Jahr freue ich mich auf den Moment, wenn ich die ersten Johanniskrautblüten zwischen den Fingern zerreibe. Aus dem leuchtenden Gelb wird innerhalb weniger Sekunden ein tiefes Rot – ein kleines Naturwunder, das mich immer wieder staunen lässt.“
Sammelzeit und verwendete Pflanzenteile
Gesammelt wird das blühende Kraut, also die oberen Triebspitzen mit Blüten, Knospen und zarten Blättern. Die beste Zeit liegt meist zwischen Juni und August, mit einem besonderen Höhepunkt rund um die Sommersonnwende.
Für Rotöl verwendest du bevorzugt frische Blüten und Knospen. Für Tee oder Tinktur können die blühenden Triebspitzen gesammelt und schonend getrocknet werden.
Wie immer gilt: Sammle nur, was du sicher bestimmen kannst. Nimm nur so viel, wie du wirklich brauchst, und lasse genug für Insekten, Samenbildung und den Pflanzenbestand stehen.
Johanniskraut im alten Wissen
Johanniskraut ist tief mit dem Sonnenlauf verbunden. Seine Blütezeit rund um Johanni, seine goldgelbe Farbe und der rote Saft machten es schon früh zu einer besonderen Pflanze im Jahreskreis. Unsere Vorfahren sahen im Johanniskraut ein Schutzkraut, Lichtbringer und Begleiter durch dunklere Zeiten. Man hängte es in Häusern auf, legte es in Kräuterbuschen oder -kränze oder nutzte es in der Volksheilkunde für Körper und Seele.
Auch die Signatur der Pflanze spricht eine deutliche Sprache: gelbe Blüten wie kleine Sonnen, durchscheinende Öldrüsen wie Lichtpunkte im Blatt und roter Saft, der beim Zerreiben hervortritt.
Johanniskraut in der Pflanzenheilkunde
Kaum ein heimisches Heilkraut ist so gut untersucht wie Johanniskraut. In der modernen Pflanzenheilkunde steht vor allem das Zusammenspiel verschiedener Inhaltsstoffe im Mittelpunkt: Hypericine, Hyperforin, Flavonoide, Gerbstoffe und ätherische Öle wirken nicht isoliert, sondern als Pflanzenkomplex.
Traditionell wurde Johanniskraut innerlich bei nervöser Unruhe, Anspannung und gedrückter Stimmung geschätzt. Standardisierte Johanniskraut-Präparate werden auch heute noch bei leichten bis mittelschweren depressiven Verstimmungen eingesetzt.
Wichtig ist dabei: Eine Depression gehört immer in fachkundige Hände. Johanniskraut ist kein Ersatz für ärztliche oder therapeutische Begleitung. Wenn dich eine gedrückte Stimmung länger begleitet, hole dir bitte Unterstützung!
Äußerlich ist Johanniskraut vor allem als Rotöl bekannt. Es wird traditionell zur Pflege beanspruchter Haut, bei kleinen Wunden, Muskelverspannungen, stumpfen Beschwerden und leichten Verbrennungen verwendet.
Rotöl – der Klassiker aus Johanniskraut
Das leuchtend rote Johanniskrautöl gehört für viele in die sommerliche Hausapotheke. Dafür werden frische Blüten und Knospen locker in ein sauberes Glas gegeben und mit einem guten Pflanzenöl übergossen, zum Beispiel Olivenöl oder Sonnenblumenöl. Das Glas wird verschlossen und für mehrere Wochen an einen hellen, warmen Ort gestellt. Mit der Zeit färbt sich das Öl rötlich. Nach etwa vier Wochen wird es abgeseiht und dunkel gelagert.
Rotöl kann pur als Pflegeöl verwendet oder später in Salben und Cremes weiterverarbeitet werden.
Wichtige Hinweise zur Anwendung
So freundlich Johanniskraut aussieht, so kraftvoll ist es in der Anwendung. Besonders bei innerlicher Einnahme ist Vorsicht geboten.
Johanniskraut kann die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöhen. Vor allem bei heller Haut und intensiver Anwendung sollten starke Sonne und Solarium gemieden werden.
Noch wichtiger sind mögliche Wechselwirkungen mit Medikamenten. Johanniskraut kann den Abbau verschiedener Arzneimittel beeinflussen. Dazu gehören unter anderem hormonelle Verhütungsmittel, Blutverdünner, bestimmte Asthmamittel, Immunsuppressiva, Beruhigungsmittel und verschiedene Antidepressiva.
Deshalb gilt: Johanniskraut innerlich bitte nicht auf eigene Faust einnehmen, wenn du Medikamente nutzt. Sprich vorher mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder deiner Apotheke.
Auch in Schwangerschaft, Stillzeit sowie bei Kindern und Jugendlichen sollte Johanniskraut nur nach fachkundiger Rücksprache verwendet werden.
Johanniskraut in der Kräuterküche und Hausapotheke
Die bekanntesten Zubereitungen sind:
Rotöl: frische Blüten und Knospen in Öl ausgezogen (siehe oben)
Tee: getrocknete blühende Triebspitzen als Aufguss
Tinktur: alkoholischer Auszug aus dem blühenden Kraut
Für die innere Anwendung solltest du besonders achtsam sein und die möglichen Wechselwirkungen ernst nehmen. Für die äußerliche Anwendung ist Rotöl dagegen ein schöner Einstieg in die traditionelle Kräuterverarbeitung.
Ein Kraut voller Licht
Johanniskraut ist eine Pflanze, die man nicht nur mit den Augen erkennt. Man erkennt sie mit den Fingern, wenn der zweikantige Stängel spürbar wird. Mit dem Blick gegen das Licht, wenn die Öldrüsen im Blatt sichtbar werden. Und mit dem Staunen, wenn sich die gelbe Blüte plötzlich rot färbt. Es blüht zur hellsten Zeit des Jahres und begleitet den Menschen seit Jahrhunderten gerade dann, wenn innerlich wieder mehr Licht gebraucht wird.
Hast du Johanniskraut schon einmal bewusst in der Natur entdeckt? Vielleicht hältst du beim nächsten Spaziergang einfach einmal ein Blatt gegen das Sonnenlicht 😉 Ich bin gespannt, ob du die kleinen ‚Löcher‘ entdecken kannst.






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